Die selbstbestimmte Geburt – sanfte & sichere Hausgeburt, mein Geburtsbericht 1&2 und warum wir mehr Hebammen benötigen
Das einzige, was ich an der Geburt meiner zweiten Tochter bedaure ist, dass ich sie nicht gefilmt habe. Denn sie war wunderschön. Sanft und selbstbestimmt. Und so gerne würde ich meinen Töchtern später einmal zeigen wie schön Geburt sein kann. Um Ihnen Mut zu machen, ihnen Kraft zu geben und ihnen Vertrauen in sich selbst zu geben.
Die Geburt meiner ersten Tochter verlief ganz anders und keiner meiner Familie und Freunde hätte sich gedacht, dass ich nach dem ersten Geburtserlebnis auf einmal eine Hausgeburt wünsche. Damals lebte ich in Paris und 11 Tage nach Termin wurde im Krankenhaus eingeleitet. Nicht, weil irgendwelche Untersuchungen das befürworteten – Fruchtwasser, Baby-Herztöne, mein Befinden, etc. war alles ideal – sondern weil es die Krankenhausregeln waren standardmäßig nach spätestens 10-11 Tagen über Termin einzuleiten. Und weil ich als Erstgebärende ohne den Rückhalt einer erfahrenen Hebamme vor Ort nicht das Selbstvertrauen besaß mich über diese Standards hinwegzusetzten und einfach noch ein paar Tage abzuwarten bis mein Baby und ich wirklich bereit waren. Denn eine Hebammenbetreuung wie in Deutschland gibt es in Frankreich nicht. Und selbst hierzulande werden die Hebammen ja leider immer knapper.
Und so hab ich also der Einleitung zugestimmt, obwohl eine Einleitung eigentlich meine einzige und größte Angst vor der Geburt war. Rückblickend, denk ich mir, dass es wahrscheinlich gerade aus meiner Angst davor dazu kam, aber wer weiß.. Die Geburt wurde um 13h mittags eingeleitet und nach einiger Zeit ging bei mir ein Wehensturm los, der manchmal die Folge einer künstlichen Geburtseinleitung sein kann. Bedeutet, dass die natürlichen Pausen zwischen den Wehen nicht auftreten, sondern eine Art Dauerwehe eintritt. Die Gebärmutter, die mit dem plötzlichen Beginn der Geburt überfordert ist, arbeitet und arbeitet ohne Unterlass. Zum Start des Wehensturms war mein Muttermund noch nicht einmal 3cm weit offen und unglaublicher Druck auf das Schambein lässt vermuten, dass das Köpfchen meiner Tochter einfach noch nicht richtig eingestellt war, um einfach ins Becken zu rutschen und nach unten zu treten. Die Standards, dass mein Baby überfällig sein sollte, trafen bei mir nicht zu und mein Körper und mein Baby protestierten. To make a long story short – so führte die Einleitung zum Wehensturm, der Wehensturm zu einer benötigten PDA (bei welcher der Katheter verrutschte und das Schmerzmittel irgendwo anders landete); die PDA zu einer unvorteilhaften Geburtsposition; das ganze zu einer langen Geburt von 26 Stunden bis zum Eintritt der Presswehen; die Dauer der Geburt, zu Betreuung durch vier unterschiedliche, unbekannte Hebammen, zu präventiver Antibiotikagabe und zu so großer Erschöpfung, dass eine Geburtszange eingesetzt wurde; das zu einem kleinem Riss; und das Problematischste: nach der Geburt streikte meine von künstlicher Einleitung und langer Dauer vollkommen überforderte Gebärmutter, was zu so starken Nachblutungen führte, dass ich unter Beobachtung kam und meine Tochter erst einmal für einige Stunden von mir getrennt wurde bis sich mein Zustand stabilisiert hatte. Eine Teufelsspirale... bei der für mich das Dramatischte nicht der lange und schwierige Geburtsverlauf war, sondern der Fakt, dass meine Tochter in den ersten Stunden ihres Lebens nicht bei mir sein durfte, weil das Krankenhaus meinte es sei besser für sie und mich.
Nun gibt es deutlich dramatischere Geburtsverläufe als diesen und ich bin dem Ärzteteam auch sehr dankbar, dass sie mir in der brenzligen Situation des zu starken Blutverlusts geholfen haben! Auf der anderen Seite glaube ich, dass es nie zu einem so schwierigen Geburtsverlauf gekommen wäre, wenn ich mich den Standards widersetzt hätte und mit Unterstützung einer erfahrenen, mir vertrauten Hebamme noch ein paar Tage auf den natürlichen Beginn der Geburt gewartet hätte; dass eine babyfreundliche Klinik meine Tochter nicht von mir getrennt hätte, auch während ich unter Beobachtung stand.
Ich bin unendlich dankbar, dass es so gute Krankenhäuser und Ärzte gibt, die im Notfall das Leben vieler Mütter und Babys retten! Aber wie sind wir dorthin gekommen, dass wir so häufig vom Notfall ausgehen und uns von Ängsten leiten lassen anstatt in uns selbst zu vertrauen? Wo ist der Bezug zu uns und unserem Körper hin? Dass wir uns standardisieren lassen?
Ich verstehe, dass ein Krankenhaus gewisse Standards benötigt um sich zu schützen, aber möchte ich mich in diese Standards einsortieren lassen?
Ich hatte zu Beginn meiner zweiten Schwangerschaft also die Wahl mich durch die Erfahrungen der ersten Geburt noch mehr von Angst schüren zu lassen oder damit abzuschließen und vertrauensvoll an meine eigene Kraft zu glauben sanft und sicher gebären zu können.
Ich schloss mit meinem ersten Geburtserlebnis ab, bedankte mich, dass ich trotz allem was nicht nach meinen Wünschen verlief, eine gesunde und fröhliche Tochter auf die Welt gebracht hatte und begann mit geburtsvorbereitender Hypnose (mehr dazu findest Du in folgendem Artikel: https://mammaluv.com/magazin/artikel/news/die-sanfte-und-sichere-geburt-erfahrungen-mit-geburtsvorbereitender-hypnose/). Und während dieser Arbeit mit mir selber, in der ich gelernt habe meine Ängste und Erwartungen loszulassen, habe ich wieder in meine Kraft gefunden. Und Tag für Tag wuchs in mir das Bedürfnis, in einer mir vertrauten Umgebung zu entbinden, mit einer mir vertrauten Person.
Ich entschied mich für eine Hausgeburt und mit großem Glück fand ich eine wunderbare Hebamme in Nürnberg, die liebevolle Andrea Friedel (https://www.geburtshausnuernberg.de), die einen Platz für mich hatte, um mich bei der Geburt zu begleiten.
Für mein Umfeld, insbesondere meinen Mann und meine Mutter, war diese Entscheidung eher schwierig, weil Geburt leider bei vielen so unglaublich angstbehaftet ist. Aber sie akzeptierten meinen Wunsch und meine Entscheidung. Wofür ich Ihnen sehr danke!!
Und so durfte ich bei der Geburt meiner zweiten Tochter, meine Wunschgeburt zu Hause erleben.
„Es ist ein schöner frühherbstlicher Tag, der sich noch fast ein bisschen wie Spätsommer anfühlt. Mein Mann hat unsere Große gerade in die Kita gebracht und ist zur Arbeit gefahren. Ich habe mein morgendliches Yoga gemacht, lecker gefrühstückt, liege auf dem Sofa und genieße meinen Himbeerblättertee, mit ein bisschen Honig für die warme Süße....“ So begann meine selbstgeschriebene Geburtsgeschichte.
Letztendlich war es kein Wochentag, an dem ich die gerade ins Haus eingekehrte Ruhe genieße – es war ein Sonntag, aber tatsächlich der erste Tag seit Wochen, der stressfrei und mit Ruhe begann. Die Wochen zuvor war allerlei bei uns los – so ging ich zum Beispiel am errechneten Geburtstermin mit meiner Website live! Eigentlich war das viel früher geplant.. Samstags hieß es noch Kinderwagen, Bett etc. aufbauen.. alles viel zu knapp! Aber am Sonntag war dann endlich die wohlersehnte Ruhe da. Die Ruhe, die es bekanntlich braucht, damit die Wehen losgehen können. Und es war ein wunderschöner frühherbstlicher Tag, der sich noch fast ein bisschen wie Spätsommer anfühlte.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es heute losgehen würde und trank tagsüber einige Tassen Himberblättertee gemischt mit einem wehenanregenden Tee, den ich von Andrea bekommen hatte. Wir machten uns einen richtig schönen Tag zusammen, trafen Freunde zum Kaffee und machten am späten Nachmittag zu dritt einen wunderschönen Spaziergang. Am Pegnitzufer, wo die Bäume schon langsam ihr Herbstgewand anzogen und sich die Blätter goldgelb färbten und die Abendsonne noch so angenehm warm war, dass wir keine Jacken brauchten. Wir sammelten Blätter und Eicheln für die Große, sangen Lieder und genossen nochmal richtig unsere Zeit zu dritt.
Zurück zu Hause ging es gegen 19h beim Kochen dann mit ein paar sanften Wehen los. Alle 20 Minuten kamen sie ungefähr. Und so konnte ich noch recht entspannt meine größere Tochter ins Bett bringen. Sie war meine größte Sorge in der ganzen Planung. Wir hatten zwar einige Freunde auf Abruf, aber mit ihren 2,5 Jahren war sie es noch nicht gewöhnt bei anderen zu übernachten.
Danach nahm ich mir gegen 22h ein schönes Entspannungbad, mit Lavendelöl, dem Duft, den ich mir während der Hypnosearbeit als Entspannungsanker gesetzt hatte. Richtige Geburtswehen werden während einem Bad stärker, Übungswehen schwächer. Und die Wehen wurden stärker und kamen in kürzeren Abständen. Ich verließ die Badewanne und bekam gegen 23h alle 4-5 Minuten Wehen. Wie vereinbart riefen wir nun Andrea an, die mir sagte, ich klänge noch so entspannt und sollte in einer halben Stunde nochmal anrufen. Dank der vertrauten Umgebung – ich war mit meinem Mann in unserem Schlafzimmer, bei gedämmten Licht, mit Lavendelduft und meiner Entspannungsmusik – war ich auch tatsächlich sehr entspannt. Rückblickend kommt es mir fast wie eine Trance vor.
Ich wechselte die Positionen von Welpenhaltung, zu Sitzen auf dem Gymnastikball, zu Vierfüßler mit Abstützen auf dem Bett, je nachdem wonach ich mich gerade fühlte.. und mein Mann massierte mir während der Wehen den unteren Rücken. Im Hintergrund lief meine Entspannungsmusik mit Tonaufnahmen meiner Hypnose. Und immer wieder bat ich meinen Mann meinen Lavedelduft im Raum zu versprühen.
Zu Mitternacht kamen die Wehen dann alle 2-3 Minuten, weshalb ich nochmal meine Hebamme anrief, damit sie sich auf den Weg mache. Während wir auf sie warteten merkte ich schon wie sich etwas veränderte. Ich hatte das Bedürfnis meine Leggins auszuziehen und fragte mich, ob wohl gerade die Presswehen losgingen..? Kurz drauf war Andrea da.
Und wie als wär sie schon die ganze Zeit da gewesen, fügte sie sich ganz leise und unbemerkt in die Situation ein, erklärte meinem Mann, was er vorbereiten könne und sagte mir auf meine Frage hin „Ich weiß nicht wirklich wie weit ich bin?“ – „Ich kann es Dir sagen, Dein Baby möchte auf die Welt“.
Ich wusste nicht wie weit ich bin, weil alles soviel entspannter war als ich es mir erträumt hatte und irgendwie nicht glauben konnte, dass alles so schnell und sanft ablaufen kann.
Circa zwei, drei Presswehen später, um 1h morgens, ich war im Vierfüßlerstand und stütze meine Arme auf dem Bett ab, mein Mann saß auf dem Bett neben mir, spürte ich wie nach dem Kopf, der Hals, die Schulter und der Körper meiner Tochter ganz sanft aus mir herauskamen.
Das so intensiv zu spüren, war wunderschön.
Andrea legte mir meine Tochter unter mich, so dass ich sie hochnehmen konnte.
Und sie weinte im ersten Moment gar nicht.
Von jetzt auf gleich war alle Anstrengung vergessen und meine kleine Tochter war bei mir.
Ein so heilsames Erlebnis für mich, wie auch für meinen Mann.
Ich konnte mich direkt mit ihr in mein Bett legen, dort in Ruhe stillen, entspannt auf die Nachgeburt warten, die Nabelschnur pulsieren lassen bis zur Plazentageburt, die ersten Untersuchungen auf dem Wickeltisch vom Bett aus beobachten.. Alles passierte in diesem einen Raum – meinem kuscheligen Schlafzimmer.
Und unsere große Tochter schlief bis 6h morgens durch (was eher selten der Fall ist) und war vollkommen überwältigt, als sie zu ins Schlafzimmer tappte und ihre Schwester entdeckte.
So ein schöner Start als neue, größere Familie..
Ich hatte meine Wunschgeburt, keinerlei Geburtsverletzungen und meine Tochter war gesund zu Welt gekommen. Was mehr kann man sich wünschen?!
Warum schreibe ich das alles hier? Weil ich teilen möchte, wie schön Geburt sein kann, wenn wir der Mutter ermöglichen in ihrem Element zu sein und nicht in Ihre Natürlichkeit eingreifen. Wenn wir sie unterstützen, nicht sie reglementieren und standardisieren.
Ich habe bisher zwei Kinder zur Welt gebracht und erlebt wie unterschiedlich Geburt sein kann. Wir brauchen ein Geburtsbild frei von Angst und genügend erfahrene Hebammen, die eine Geburt in der Wunschumgebung der Frau begleiten können.
Natürlich wird es immer Situationen geben, in denen ein Krankenhaus und Ärzte notwendig sind, um Mutter und Kind zu retten. Aber eine erfahrene Hebamme wird Dir ehrlich sagen, wann Du besser ins Krankenhaus gehst, weil Risiken existieren.
Daher wünsche ich mir, dass wir unter uns Frauen offener mit dem Thema Geburt umgehen und uns Kraft und Vertrauen schenken. Denn ich wünsche jeder Mutter, ihre Stärke so spüren zu können und in Ruhe, frei von Angst ihre Wunschgeburt erleben zu können. Sanft, sicher und selbstbestimmt.
Wer sich mehr zum Thema sanfte und sichere Geburt informieren möchte, kann hier stöbern:
- Veröffentlichungen von Leboyer: https://de.wikipedia.org/wiki/Frédérick_Leboyer
- Veröffentichungen von Odent: https://de.wikipedia.org/wiki/Michel_Odent
- Film zu sicherer Geburt: https://www.die-sichere-geburt.de
Und unsere wertvollen Hebammen könnt ihr hier unterstützen:
With luv,
Laura
